Details der Veranstaltung

Tagung/Kongress

7. Wittener Kolloquium

Freiheit? Freiheitsbewusstsein - neurowissenschaftliche
Tatsachen - gesellschaftliche Bedeutung

Die Frage nach Freiheit oder Determination des menschlichen Denkens und Handelns gehört zu den wichtigsten Fragen der Wissenschaft. Die in den öffentlichen Medien kursierenden Meinungen spiegeln zumeist die bei maßgeblichen Neurowissenschaftlern dominierenden Positionen wider. Und diese sind in den letzten Jahrzehnten überwiegend deterministisch: "Verschaltungen legen uns fest: Wir sollten aufhören, von Freiheit zu sprechen" (Wolf Singer, 2004). Zur Begründung werden meist die Versuche
von Benjamin Libet (1983) herangezogen, welche zeigen, dass sich beim Ausführenwollen einer Bewegung schon kurz bevor der Ausführungswille bewusst und die Bewegung ausgeführt wird, eine Gehirnaktivität nachweisen lässt. Aus solchen neurophysiologischen Tatsachen leiten Neurowissenschaftler wie Gerhard Roth ab, dass das Bewusstsein vom Gehirn erzeugt werde. Damit würde das menschliche Freiheitserlebnis, das der Philosoph Peter Bieri aus phänomenologischer Sicht als eine "manifeste, unbezweifelbare Erfahrung" beschreibt (2001), zu einer Illusion. Zudem werden weitere Determinismen soziokultureller Art diskutiert, die die Freiheitsfähigkeit ebenfalls in Frage stellen.

Wichtigste Errungenschaften der Neuzeit wie die politischen Freiheiten und die Wissenschafts- und Lehrfreiheit beruhen auf einer Anerkennung der menschlichen Freiheit, ebenso die vom Zivil- und Strafrecht zugestandene Verantwortungsfähigkeit und Selbstbestimmung des erwachsenen Individuums. Wenn diese Freiheitsfähigkeit jedoch verneint wird, dann ist mit einem Abbau von
Freiheitsrechten zu rechnen, mit allen Konsequenzen, die sich schon heute und in Zukunft daraus ergeben. Die Frage nach der Freiheit ist deshalb keine bloß "akademische" Frage, sondern eine Angelegenheit von existenzieller Bedeutung.

Die Wissenschaft trägt allerdings eine Hauptverantwortung für die sachgerechte Bearbeitung dieser Frage. Aktuell mehren sich die Stimmen, die zeigen, dass das Erfahrungserlebnis der Freiheit mit den neurowissenschaftlichen Tatsachen vollständig kompatibel ist.

Wir laden im Rahmen des Kolloquiums herzlich zu Reflexion und lebhafter Diskussion ein.

Peter Heusser, Matthias Kettner, Ulrich Weger und René Ebersbach -Wissenschaftliche Leitung

Programm

Tagungsort

Forschungs- und Entwicklungszentrum (FEZ)
Alfred-Herrhausen-Straße 44, 58455 Witten

Teilnahmegebühr (inkl. Verpflegung)

Reguläre Gebühr EUR 150,-
Ermäßigt für Assistenzärzte, sowie für UW/H und GKH Mitarbeiter EUR 90,-
Ermäßigt für Studierende EUR 25,-

Termin:

27. April 2018 , 09:30 Uhr - 28. April 2018 , 12:00 Uhr

Ort:

Universität Witten/Herdecke