Prävention und Pflege

Prävention muss stärker bei Pflegebedürftigen ansetzen

Seit dem Jahr 2016 ist das Präventionsgesetz in Kraft, das mehr Prävention in den einzelnen Lebenswelten vorsieht, darunter auch in der stationären Pflege. „Das Präventionsgesetz unterstreicht, dass Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheit kein Exklusivthema für vergleichsweise junge und gesunde Menschen sein dürfen. Gerade bei pflegebedürftigen Menschen ist eine ganz gezielte Prävention wichtig. Denn trotz ihrer vorhandenen Beeinträchtigungen verfügen sie über Gesundheitspotenziale, die gefördert werden können und müssen“, sagt Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandvorsitzender der BARMER.

Digitalisierung bringt Prävention in der Pflege voran

Insbesondere der demographische Wandel stellt den Pflegebereich vor immer größere Herausforderungen. „Im Sinne eines jeden Einzelnen wollen wir als Kranken- und Pflegekasse unseren Beitrag leisten, damit eine Pflegebedürftigkeit so spät wie möglich eintritt oder sie zumindest nicht vorschnell zunimmt. Die Digitalisierung bietet hier ein großes Potenzial für eine wirklich Innovative Prävention “, sagt Straub. Seit einem Jahr untersucht die BARMER die präventiven und gesundheitsförderlichen Aspekte von therapeutischen Videospielen im Bereich Bewegung. Im Rahmen einer Pilotstudie in Hamburger und Berliner Pflegeeinrichtungen werden die Beweglichkeit, die mentale Leistungsfähigkeit und die sozialer Interaktion von Senioren gefördert. Die Videospielplattform, die sogenannte MemoreBox, wurde von Experten aus Wissenschaft, pflegerischer Praxis und Spielentwicklung konzipiert, um den Pflegealltag zu bereichern. „Die Digitalisierung kann die Prävention in der stationären Pflege voranbringen, wenn nicht sogar revolutionieren. Was wir nun brauchen, sind weitere, durchaus auch unkonventionelle Ideen für digitale Präventionsprojekte“, fordert Straub.

Kneipp-Bund fordert Paradigmenwechsel im Pflegebereich

„Das Thema Pflege ist eine der größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft“, so der Präsident des Kneipp-Bundes, Klaus Holetschek MdL. Umso wichtiger ist es, auch im Alter sinnvolle Strategien zur Verbesserung der Lebensqualität und der gesundheitlichen Situation pflegebedürftiger Menschen umzusetzen. „Die Arbeitsbedingungen und Bezahlung der Pflegekräfte, die Situation pflegender Angehöriger und auch die bürokratischen Rahmenbedingungen, es herrscht dringender Handlungsbedarf. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel im Pflegebereich!“ betonte Holetschek. „Prävention in der Pflege lohnt sich ohne jeden Zweifel. Nicht erst durch unsere Kneipp-Pflegestudie wissen wir, Anwendungen sind immer auch Zuwendungen“, so Holetschek weiter.

In diesem Kontext seien die „Vom Kneipp-Bund e.V. anerkannten Senioreneinrichtungen“ ein Erfolgsmodell. Das Konzept „Kneipp in der Pflege“ könne niedrigschwellig in den Alltag implementiert werden, mit einer relativ einfachen Handhabe, aber in einer wirkungsvollen Weise. Es müsse künftig auch darum gehen, die Grundbedürfnisse einer menschenwürdigen Pflege besser zu berücksichtigen. „Wenn Pflegende gern zur Arbeit gehen, wirkt sich das auch positiv auf das zwischenmenschliche Verhältnis zu den Bewohnern aus. Unsere Studie hat unter anderem aufgezeigt, dass sich mit Kneipp das persönliche Wohlbefinden und damit die Lebensqualität verbessern lässt, und zwar für Pflegekräfte und Pflegebedürftige gleichermaßen“, unterstrich Holetschek. Der Kneipp-Bund stellt daher hohe Erwartungen an die künftige Bundesregierung und drängt darauf, bewährte Konzepte für die Prävention und Gesundheitsförderung in der Pflege zukünftig stärker zu fördern und in ihrer Umsetzung zu unterstützen.

Gute Pflege ist Prävention

„Die Bedeutung der professionellen Pflege für die Prävention wird im gesundheitspolitischen Diskurs weitgehend unterschätzt. Gute Pflege beginnt am Lebensanfang und ist schon für den Säugling Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung von Körper, Seele und Geist. Auch das Alter braucht professionelle und vorbeugende Pflege. Stürze, Mangel- oder Fehlernährung, Bewegungsmangel oder fehlende Sozialkontakte sind zentrale Risikofaktoren für Gesundheit und Lebensqualität. Prävention und Pflege helfen, Krankenhauseinweisungen zu vermeiden, Behandlungserfolge zu sichern und Lebensstiländerungen nachhaltig zu unterstützen. Was wir dafür brauchen, sind die Aufhebung der Sektoren-Trennung, Mindeststandards bei der Personalausstattung und mehr Pflegeforschung. Sonst bleibt Pflegebedürftigkeit ein für die Betroffenen leidvolles und für die Gesellschaft teures Gesundheitsrisiko. Dagegen macht sich die Anthroposophische Pflege stark“, kommentiert Rolf Heine, Vorstandsmitglied Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD).

21. Feb 2018, - Filderklinik Filderstadt
18. Apr 2018, - Kongress- und Kurhaus Freudenstadt
20. Apr 2018, - Freie Universität Berlin

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