Preisträger 2013

Hochwertige Studien, erstaunliche Ergebnisse

Prof. Dr. med. Benno Brinkhaus und Dr. med. Ulrich Geyer während der Preisverleihung (Foto: Marco Schott)

In diesem Jahr ging der Holzschuh-Preis für Komplementärmedizin 2013 an zwei Preisträger: Prof. Benno Brinkhaus und Dr. Ulrich Geyer. Beide Preisträger erhielten für ihre herausragenden Forschungsarbeiten stellvertretend für ihre Arbeitsgruppen die Auszeichnung der Karl und Hilde Holzschuh-Stiftung am 2. November 2013 in Baden-Baden.

Die Studie von Brinkhaus et al erhält den Holzschuh-Preis für Komplementärmedizin vor allem für ihre hohe wissenschaftliche Qualität. Mit der eingereichten Arbeit gelang ihnen der Nachweis der Wirksamkeit von Akupunkturbehandlungen bei Heuschnupfen. Die Studie zeigt, dass Akupunktur die Beschwerden lindert, den Gebrauch von Antihistaminika senkt und die Lebensqualität der Betroffenen verbessert.

„Diese Studie ist als methodologisch hochwertig einzustufen und zeigt, dass Komplementärmedizin auf einem wissenschaftlich hohen Niveau beforscht werden kann“, argumentiert PD Dr. Harald Matthes, Vorstand der Hufelandgesellschaft in seiner Laudatio.

Dr. Geyer und seine Arbeitsgruppe wiesen in ihrer Studie nach, dass die Anwendung einer integrativen, anthroposophischen Medizin bei Lungenentzündung auch ohne Antibiotika-Einsatz sicher und angemessen wirksam sein kann. Für harmlosere obere Atemwegsinfekte ist dies schon lange bekannt; für Lungenentzündungen fehlten bisher aktuelle Daten.

„Die Arbeit wurde ausgewählt“, betont Matthes, „weil sie in Zeiten einer kritischen Zunahme von Antibiotikaresistenzen zeigt, welchen wichtigen Beitrag die Komplementärmedizin hier zu leisten vermag.“

Und Hans-Peter Dufner, Stiftungsvorstand der Karl und Hilde Holzschuh-Stiftung, resümiert: „Das wir in diesem Jahr zwei so hochkarätige Studien auszeichnen konnten, zeigt auch die Präsenz guter Forschungsergebnisse im Bereich der Komplementärmedizin. Umso wichtiger ist es der Stiftung, mit Hilfe der jährlichen Preisverleihung diese Ergebnisse bekannter zu machen und das öffentliche Interesse darauf zu lenken.“

Während der Preisverleihung: Hans-Peter Dufner (Holzschuh-Stiftung), Dr. Ulrich Geyer, Prof. Dr. Benno Brinkhaus, PD Dr. Harald Matthes (Hufelandgesellschaft), Ragnar Watteroth (Holzschuh-Stiftung) v.l.n.r. (Foto: Marco Schott)

Preisträger Dr. U. Geyer

Pneumonie-Behandlung ohne Antibiotika mit Anthroposophischer Medizin

Die zunehmende Entwicklung von Antibiotikaresistenzen steigert die Nachfrage
alternativer Behandlungsmöglichkeiten auch im Kontext der Pneumoniebehandlung.

Die Relevanz einer wirksamen Behandlung der Pneumonie spiegelt sich in der gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskussion deutlich wider. Aktuelle Leitlinien empfehlen je nach zugrunde liegendem Erreger die Applikation von Antibiotika oder anderer spezifischer Chemotherapeutika.

Mit zunehmender Entwicklung von Resistenzen gegen Antibiotika tritt die Frage nach der Möglichkeit anderer wirksamer und sicherer Behandlungsoptionen auf. Gleichzeitig wächst das Interesse an alternativen Behandlungswegen wie z.B. Komplementärmedizin (CAM). Die Datenlage über den Einsatz von CAM bei der Therapie von Pneumonien ist jedoch limitiert. Ziel der vorliegenden retrospektiven Studie ist die Evaluation der Behandlung von Pneumonien mit anthroposophischer Medizin hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit auf einer dafür spezialisierten Behandlungseinheit.

Mehr im Artikel der Zeitschrift Erfahrungsheilkunde (pdf/0,2 MB)

Preisträger Prof. Dr. B. Brinkhaus

„Mit einem für die Akupunktur so positiven Ergebnis hatten wir nicht gerechnet“

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Studie von Brinkhaus et al war so angelegt, dass bei 422 Patienten mit Heuschnupfen, die auf Birken- und Gräserpollen allergisch reagierten, jeweils zwei Behandlungsverfahren miteinander verglichen wurden, tatsächliche, an den Akupunkturpunkten durchgeführte Nadeleinstiche und sog. „Sham-Akupunktur“, eine Art Placebobehandlung. Die Ergebnisse dieser Behandlungen wurden verglichen mit einer dritten Vergleichsgruppe, die zunächst nur antiallergische Medikamente (Antihistaminika) erhielten, acht Wochen später aber ebenfalls eine Akupunktur-Behandlung. Dieses Studiendesign ist den bisher durchgeführten Untersuchungen zum Effekt einer Akupunkturbehandlung bei saisonaler Rhinitis insofern überlegen, dass eine Bedarfsmedikation in allen drei Gruppen zur Verfügung stand.

Über einen Zeitraum von 8 Wochen erhielten die Patienten im ersten Jahr zwölf Akupunktursitzungen. Nachuntersuchungen fanden nach 16 Wochen und im Folgejahr statt. Die Intensität der Heuschnupfenbeschwerden, Lebensqualität, Medikamentenverbrauch und eventuelle Nebenwirkungen wurden per Fragebögen und Tagebuch erfasst und ausgewertet.

„Das Ziel war eine wissenschaftliche Studie auf höchstem methodischem Niveau, in der die Wirksamkeit und Therapiesicherheit der Akupunktur bei Heuschnupfen und allergischen Beschwerden untersucht werden sollte. Mit einem für die Akupunktur so positiven Ergebnis hatten wir nicht gerechnet“, sagt Prof. Dr. Brinkhaus, der Studienkoordinator aus der Charité- Universitätsmedizin Berlin.

Der positive Effekt der Akupunktur war in den ersten 8 Wochen im Jahr der Therapie zu beobachten. Zudem konnte ein positiver Effekt auch ein Jahr später ohne weitere Akupunktur dokumentiert werden, ein Ergebnis, welches die Allergologen erstaunt. Allerdings waren nach 16 Wochen im ersten Jahr keine Unterschiede der Gruppen mehr feststellbar, wahrscheinlich weil die Pollensaison für die meisten Allergiker beendet war.

Quelle: "Acupuncture in Patients With Seasonal Allergic Rhinitis. A Randomized Trial." Ausgabe der Annals of Internal Medicine (volume 158) vom 19. Februar 2013. Autoren: B. Brinkhaus, M. Ortiz, C.M. Witt, S. Roll, K. Linde, F. Pfab, B. Niggemann, J. Hummelsberger, A. Treszl, J. Ring, T. Zuberbier, K. Wegscheider, S.N. Willich.

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