Die Hufelandgesellschaft

"Das sind wir unserer Bevölkerung schuldig": Kneipp-Bünde fordern Stärkung der Integrativen Medizin

„Die Menschen wünschen mehrheitlich eine Gesundheitsversorgung, die Schulmedizin und Naturmedizin sinnvoll aufeinander abstimmt. Die Zukunft gehört der Integrativen Medizin“, sind sich Magister Georg Jillich, Präsident des Österreichischen Kneipp-Bundes und Klaus Holetschek, Präsident des Deutschen Kneipp-Bundes, einig. Beide Verbände repräsentieren die traditionelle europäische Medizin und stehen für weit mehr als 200.000 Menschen in Deutschland und Österreich, die in Vereinen und Einrichtungen mit den Kneippschen Naturheilverfahren in Berührung kommen. Jillich und Holetschek fordern länderübergreifende, anwendungsorientierte Forschungsprogramme zu diesen Verfahren und ihre Aufnahme in das Leistungsspektrum der Krankenkassen. „Das sind wir unserer Bevölkerung schuldig. Gerade ob der langen Tradition Kneipps müssen diese Bereiche entschieden vorangetrieben werden!“

Es gehe darum, Naturmedizin und Schulmedizin gemeinsam zu nutzen und sinnvoll miteinander zu verbinden. Die Mehrzahl der Menschen möchte, dass die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung von Körper, Geist und Seele von der Medizin anerkannt wird und der gesundheitszentrierte Ansatz in den Vordergrund der europäischen Gesundheitspolitik rückt – so, wie es auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO gefordert wird. Dies ist auch das Ziel der internationalen Konföderation der Kneipp-Bewegung „KneippWORLDWIDE“, der beide Verbände angehören. Bei einem internationalen Treffen in Ungarn Ende Juni 2019 bekräftigten die 46 Mitgliedsverbände ihr länderübergreifendes Engagement für die Stärkung und Verbreitung eines gesundheitsförderlichen Lebensstils in Europa auf der Basis der Gesundheitslehre von Sebastian Kneipp.

Wenig Vertrauen in die Schulmedizin?

Mitte Mai wurde der neue STADA Gesundheitsreport 2019 vorgestellt, in dem rund 18.000 Menschen in neun europäischen Ländern zur Zukunft der Medizin befragt wurden. Zur Sprache kamen unter anderem die Themen allgemeine Entwicklung der Medizin, Organspende, Gentests, Robotik in der Medizin.

Besonders interessant sind die Ergebnisse zum Vertrauen in die konventionelle Medizin: Nur 23 Prozent der Bundesbürger vertrauen der klassischen Medizin völlig, 39 Prozent vertrauen ihr immerhin im Großen und Ganzen. Besonders skeptisch sind Frauen und die Altersgruppe der 35- bis 49-Jährigen. Im Ländervergleich
haben nur Russland, Polen und Serbien noch weniger Vertrauen in die Schulmedizin. Trendforscher Sven Gábor Jánszky geht davon aus, dass dieser Trend weiter anhält: „Das liegt am Megatrend der Individualisierung. Die Schulmedizin folgt heute immer noch oft dem Prinzip ‚One fits all‘. Aber die Menschen wissen, wie unterschiedlich und individuell sie und ihre Körper sind. In diese Gefühlslage passt dann die Idee, dass es nur eine Standard-Medikamentation für eine Diagnose gibt, nicht mehr hinein.“

Worauf vertrauen die Deutschen dann? Auf sich selbst! Bei Anzeichen einer Krankheit greifen 49 Prozent auf Hausmittel wie Hühnerbrühe oder Wärmflasche zurück, der mit Abstand höchste Wert in allen neun befragten Ländern. Im europäischen Durchschnitt setzen nur 27 Prozent zuerst auf Hausmittel, in Italien sogar nur 14 Prozent. Zuerst zum Arzt gehen in Deutschland elf Prozent, noch ein Prozent mehr geht für eine Beratung zuerst in die Apotheke. Damit schlagen Arzt und Apotheke das Internet, hier suchen nur acht Prozent als Erstes nach einer Lösung.

Es zeigt sich insgesamt, dass Deutschland am liebsten auf die eigenen Erfahrungen vertraut und sowohl technischem als auch medizinischem Fortschritt skeptischer gegenübersteht als der Rest Europas.

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