Hufeland-Symposium am 24. November 2012 in Berlin

Symposium der Hufelandgesellschaft zeigt Dringlichkeit einer wirksamen politischen Vertretung der CAM

Anlässlich des 250. Geburtstags von Christoph W. Hufeland hat die Hufelandgesellschaft am 24.11.2012 zu einem Symposium eingeladen. Ausführlich wurde die Bedeutung dieser herausragenden Persönlichkeit thematisiert - seine Bedeutung als Arzt, als Mitbegründer der Berliner Charité, als Verfechter des Pluralismus in der Medizin und nicht zuletzt als wichtigem Wegbereiter der Naturheilkunde.

Seiner Thesen sind heute durch moderne Studien belegt und grundlegende Bestandteile der naturheilkundlich integrativen Medizin, die von einem Großteil der Bevölkerung gewünscht wird. Dennoch wird diesem medizinischen Ansatz eine wissenschaftliche und gesundheitspolitische Anerkennung verweigert.

Das zeigt einmal mehr die Dringlichkeit einer wirksamen politischen Vertretung wie es erklärte Aufgabe der Hufelandgesellschaft ist. zur PM

 

Hufeland und die Naturheilkunde. Von der Avangarde zum Mainstream

Ausführlicher Bericht zum Symposium

Anlässlich des 250. Geburtstags von Christoph W. Hufeland wurde am 24. November auf Einladung der Hufelandgesellschaft im Rahmen eines Symposiums die Bedeutung dieser herausragenden Persönlichkeit thematisiert- seine Bedeutung als Arzt, als Mitbegründer der Berliner Universität, als einen Verfechter des Pluralismus in der Medizin und nicht zuletzt als wichtigem Wegbereiter der Naturheilkunde. Seiner Thesen sind heute durch moderne Studien belegt und grundlegende Bestandteile der naturheilkundlich integrativen Medizin, die von einem Großteil der Bevölkerung gewünscht wird. Dennoch wird diesem medizinischen Ansatz eine wissenschaftliche und gesundheitspolitische Anerkennung verweigert.

In seinem einleitenden Festvortrag würdigte der Philosoph Dr. Gerd B. Achenbach Hufeland - als Arzt, aber auch als praktischen Philosophen, als Denker und Freund sowie Arzt unter anderem von Kant, Goethe, Fichte und Schiller. Er lobte seine Aufklärungsschrift „Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern“ „ Menschenkenntnis wird darin mit ärztlicher Erfahrung, Grundzüge wirklicher „Lebenskönnerschaft“(..) mit hilfreicher Moral verbunden und die Gesundheitsvorsorge wird als praktische Philosophie begriffen."

Podiumsdiskussion mit den Referenten in der Hörsaalruine der Charité (v.l.n.r. Prof. Dr. Annette Zimmer, Prof. Dr. Gustav Dobos und Dr. Gerd B. Achenbach)

Prof. Dr. Gustav Dobos, Vorstand der Hufelandgesellschaft und Inhaber des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Universität Duisburg-Essen, schlug den Bogen von der historischen Perspektive zur aktuellen Situation für naturheilkundliche und komplementärmedizinische Verfahren mit ihrer therapeutischen Realität und wissenschaftlichen Bedingtheiten. Er griff in seinem Vortrag die Leitsätze von Hufeland auf und zeigte anhand von Beispielen aus der Kardiologie und der Onkologie, wie aktuell diese sind. Und nicht nur das, sie sind auch gut untersucht und ihre Wirksamkeit ist in anerkannten Studien nachgewiesen.

Prof. Dr. Annette Zimmer, Professorin für Sozialpolitik und Vergleichende Politikwissenschaft aus Münster, wies in ihrem Redebeitrag auf die große Bedeutung einer politischen Vertretung der Interessen der CAM hin. Anhand der heute vorherrschenden Situation der Verbändelandschaft und auch der Bedeutung der Entwicklung der Gesundheitswirtschaft als wichtigem ökonomischen Faktor schilderte sie die erheblichen Potentiale, die im Gegensatz zum früher herrschenden starren Korporatismus zu nutzen sind. Sie sieht dabei die Notwendigkeit umfassender Netzwerkbildung, weit über die Ärzteschaft hinaus.

Dr. Petra Thorbrietz moderierte die Podiumsdiskussion

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit den ReferentInnen wurde die heutige Dominanz wirtschaftlicher Überlegungen im Gesundheitswesen bei gleichzeitig fehlender Sachlichkeit und Gleichbehandlung im Umgang mit Naturheilverfahren und Komplementärmedizin als ein grundlegendes Problem deutlich formuliert. So sind heute manche therapeutischen Anwendungen, die routinemäßig angewendet werden weder evidenzbasiert noch von Nutzen für die Patienten. Im Gegenteil, sie sind nicht selten mit einschneidenden Einschränkungen der Lebensqualität verbunden. Die gängige Praxis wird allerdings kaum hinterfragt, bringen doch diese therapeutischen Maßnahmen der Klinik oder dem Arzt einen entsprechenden finanziellen Gewinn.

Von naturheilkundlichen bzw. komplementärmedizinischen Verfahren werden im Gegensatz dazu hochrangige Studien verlangt. Dieser unterschiedliche Maßstab behindert sowohl eine grundsätzliche Anerkennung als auch ihre Vertretung an den Hochschulen, bei der Vergabe von öffentlichen Forschungsmitteln und nicht zuletzt bei der Erstattung durch die Krankenkassen.

Das zeigt einmal mehr die Dringlichkeit einer wirksamen politischen Vertretung wie es erklärte Aufgabe der Hufelandgesellschaft ist.

22. Nov 2017, - Berlin Auditorium Friedrichstraße
21. Feb 2018, - Filderklinik Filderstadt
18. Apr 2018, - Kongress- und Kurhaus Freudenstadt

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