Holzschuh-Preis für Komplementärmedizin

Wir zeichnen Forschung aus – der Holzschuh-Preis für Komplementärmedizin

Der Preisträger 2020: Dr. med. Christian Kessler

2020 zeichneten die Holzschuh-Stiftung und die Hufelandgesellschaft die Forschungsarbeit von Dr. Christian Kessler und seiner Arbeitsgruppe mit dem Holzschuh-Preis für Komplementärmedizin aus. Die Studie zeigt auf: Maßgeschneiderte Ayurveda-Therapie bei Kniegelenksarthrose ist im Vergleich zur konventionellen Leitlinien-Therapie nachhaltig wirksam.

Zur Pressemitteilung

Ausschreibung für den Holzschuh-Preis 2021

Seit mehr als 15 Jahren vergibt die Karl und Hilde Holzschuh-Stiftung gemeinsam mit der Hufelandgesellschaft jährlich einen Preis für herausragende Forschungsergebnisse in der Komplementärmedizin und Integrativen Medizin.

Dotierung:                        5.000 €

Einsendeschluss:            31. März 2021

Über die Vergabe des Preises entscheidet eine unabhängige Jury. Mit zahlreichen anspruchsvollen und innovativen Arbeiten und einer großen Spannbreite an Themen ist er einer der bedeutendsten Forschungspreise auf diesem Gebiet.

Bewerbungskriterien

Ausgezeichnete Studie zeigt auf: Traditionelle Ayurveda-Behandlungskonzepte bei Kniegelenksarthrose wirksam

Pressemitteilung zur Verleihung des Holzschuh-Preises für Komplementärmedizin 2020

Arthrose ist weltweit verbreitet, mehr als 250 Mio. Menschen sind davon betroffen. Es ist auch eine kostenintensive Diagnose, sowohl was die konservativen Therapien als auch den Kniegelenksersatz betrifft. Und obwohl sich die konventionelle Behandlung der Kniegelenksarthrose in den letzten Jahrzehnten spürbar verbessert hat, leiden viele Menschen trotzdem unter Gelenkschmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit. Weitere effektive Behandlungsmöglichkeiten sind deshalb gefragt.

Ansatzpunkte bietet dafür unter anderem die traditionelle indische Medizin Ayurveda, aus deren Sicht sich Arthrose gut behandeln lässt. Während bisher allerdings meist einzelne  Interventionen, zum Beispiel ayurvedische Heilpflanzen  oder Massagetechniken  wissenschaftlich untersucht wurden, hat die Arbeitsgruppe um Christian Kessler erstmals die Wirksamkeit einer komplexen, multimodalen traditionellen Ayurveda-Therapie mit der konventionellen Standardtherapie verglichen.

Im Rahmen einer konfirmatorischen randomisierten kontrollierten Studie wurden insgesamt 151 Patienten zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Beide Patientengruppen erhielten in jeweils 15 Terminen über insgesamt 12 Wochen Behandlungen. In der Ayurveda-Gruppe erhielten alle Patienten ausgehend von einer individuellen Ayurveda-Diagnose ayurvedische Behandlungselemente. Zu diesen gehörten ayurvedische Massagen, Ernährungs- und Lebensstilberatung, Nahrungsergänzungen und Knie-Yoga. In der konventionellen Vergleichsgruppe wurden leitlinienkonforme Physiotherapie, Bedarfs- und Dauerschmerzmedikation sowie Ernährungsberatung im Falle von Übergewicht angeboten. Nach 12 Wochen, sowie im Verlauf nach 6 und 12 Monaten wurden die Effekte mit dem international etablierten WOMAC-Index, der die Parameter Schmerzen, Beweglichkeit und Steifigkeit bei Kniegelenksarthrose-Patienten abbildet, gemessen.

Die Ergebnisse sind interessant:  In beiden Gruppen konnten deutliche Therapieeffekte beobachtet werden. In der Ayurveda-Gruppe hatten sich die Beschwerden jedoch signifikant stärker verbessert als in der konventionellen Gruppe. Auch unter Berücksichtigung aller potentiellen Einflussfaktoren und Limitationen legen die Daten der Studie nahe, dass eine traditionelle Ayurveda-Therapie bei Kniegelenksarthrose unter hiesigen Bedingungen wirksam ist. Bemerkenswert ist auch die im Rahmen der Langzeit-Erhebung beobachtete Nachhaltigkeit der Therapieeffekte nach 6 und 12 Monaten.

So betont den auch Prof. Dr. Harald Walach, Mitglied der Jury, in seiner Bewertung: „Diese Arbeit gehört zum Besten, was ich seit langem gesehen habe: sehr sorgfältig vorbereitet, gut dokumentiert, sehr gut ausgewertet mit extrem guten und daher auch potenziell wegweisenden Ergebnissen."

Link zur Studienpublikation (Open Access): https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1063458418300827?via%3Dihub


Bewerbungskriterien

Eingereicht werden können Arbeiten, die sich in besonderem Maße Themen und Fragestellungen aus dem Bereich Naturheilkunde und Komplementärmedizin widmen. Sie können allen wissenschaftlichen Fachrichtungen entstammen, z.B. Grundlagenforschung, der klinischen Anwendung und der epidemiologisch-sozialmedizinischen Forschung.

Zugelassen für den Wettbewerb sind angehende Ärzt*innen mit einer bereits abgeschlossenen Arbeit/ Abschlussarbeit/ Promotion, Wissenschaftler*innen und Ärzt*innen in Praxis, Klinik und Universität sowie Naturwissenschaftler*innen und Pharmazeuten. Aufgrund der Stiftungssatzung sind nur Personen oder Institutionen mit Sitz in Deutschland zum Wettbewerb zugelassen.

Die eingereichten Arbeiten müssen in den letzten zwei Jahren vor der Teilnahme in einer Fachzeitschrift publiziert oder zur Publikation angenommen oder einer Universität vorgelegt worden sein. Die Arbeit ist vorzugsweise digital einzureichen.

Über die Vergabe des Preises entscheidet eine unabhängige, von der Hufelandgesellschaft und der Holzschuh-Stiftung zusammengestellte Jury. Bewertet werden dabei unter anderem das Studiendesign und die Qualität der Ergebnisse sowie die Relevanz für die Komplementärmedizin. Der Beschluss der Jury ist unanfechtbar. Der Rechtsweg bleibt ausgeschlossen.


Preiswürdige Studie bestätigt: Brustkrebspatientinnen profitieren maßgeblich von Integrativem Angebot

2019 zeichneten die Holzschuh-Stiftung und die Hufelandgesellschaft die Forschungsarbeit von Dr. Carolin Hack und ihrer Arbeitsgruppe mit dem Holzschuh-Preis für Komplementärmedizin aus.

Viele Patientinnen und Patienten wünschen sich eine integrative Medizin, die konventionelle Medizin und Verfahren der Komplementärmedizin verbindet. So ist auch die Nachfrage nach einer integrativmedizinischen Behandlung von Krebserkrankungen groß; insbesondere bei Brustkrebs wünschen sich bis zu 90 % aller Betroffenen ein solches Angebot. Gleichwohl gibt es ein solches integratives Angebot nur an wenigen deutschen Kliniken und ist ansonsten sehr uneinheitlich und nicht routinemäßig in die alltägliche klinische Versorgung integriert.

Das Universitäts-Brustzentrum Franken bietet seit Juni 2014 eine standardisierte Sprechstunde für Integrative Medizin an. Mit Hilfe eines umfangreichen Fragebogens und einer interdisziplinären Fallkonferenz wird für jede Patientin ein individueller Behandlungsplan aufgestellt, der aus der Vielzahl naturheilkundlicher Methoden schöpft, u.a. Lebensstilregulation, Bewegungstherapie, Hydrotherapie, Phytotherapie, Ernährungstherapie. Dieser Behandlungsplan wird in einem zweiten Gespräch mit den Patientinnen ausführlich erörtert. Die Umsetzung erfolgt auf Eigeninitiative, die Anwendungen werden selbstständig zu Hause durchgeführt.

Die Arbeitsgruppe um Priv. Doz. Dr. med. Carolin C. Hack evaluierte dieses Angebot im Rahmen einer retrospektiven, monozentrischen Querschnittsstudie. Im Zeitraum von 15 Monaten (Jan 2015- März 2016) wurden die Daten von insgesamt 75 Patientinnen erhoben und ausgewertet. Dafür wurden die Ergebnisse des ersten Fragebogens mit einer Follow-up-Befragung nach frühestens zwei Monaten verglichen. Darin wurden die Patientinnen gebeten, zu beurteilen, inwieweit sich die Beschwerden, Nebenwirkungen der konventionellen Therapie und die Lebensqualität durch die integrativen Angebote geändert haben.

Und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Mehr als 80 Prozent, also 4 von 5 Patientinnen erzielten eine Verbesserung der Lebensqualität. Knapp drei Viertel der Befragten berichteten von einer Linderung der Nebenwirkungen der konventionellen Therapie und einer subjektiven Verringerung der Symptome der Krebserkrankung.

„Aufgrund der Ergebnisse unserer Studie kann ich feststellen“, so die Preisträgerin Dr. Hack, „dass sich die Lebensqualität und die Nebenwirkungen von Brustkrebspatientinnen mit der Integrativen Medizin deutlich verbessert haben.“ Und sie ergänzt: „Dies ist möglicherweise auch auf andere Gebiete der Onkologie übertragbar.“

Da die Umsetzung eines integrativen Angebotes an einem zertifizierten Brustzentrum eine hohe gesellschaftliche Bedeutung zukommt, verdient die Arbeit hohe Anerkennung. „Die Daten weisen darauf hin, dass die integrative Onkologie zukünftig als ein Angebot in der Routineversorgung von Mammakarzinompatientinnen auch von sonst konventionell arbeitenden Kliniken inkludiert werden kann“, ergänzt Prof. Dr. Harald Matthes die Begründung der Jury.

Um herausragende Forschungsarbeiten bekannter zu machen und zu würdigen, wird jährlich der mit 5000 Euro dotierte Holzschuh-Preis für Komplementärmedizin von der Karl und Hilde Holzschuh-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Hufelandgesellschaft vergeben.