Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Universitätsmedizin, Gesundheitswesen und Zivilgesellschaft diskutierten im Satellitensymposium „Mehr als Ergänzung! Integrative Medizin als Strukturimpuls für Prävention und Versorgung“, wie Integrative Medizin dazu beitragen kann, Prävention, Gesundheitsförderung und patientenzentrierte Versorgung stärker in den Regelstrukturen des Gesundheitswesens zu verankern.
Vor dem Hintergrund steigender chronischer Erkrankungen, wachsender finanzieller Belastungen und einer zunehmend fragmentierten Versorgung wurde deutlich: Der entscheidende Hebel muss sich von einer überwiegend reparaturorientierten Medizin hin zu einer Gesundheitsversorgung verschieben, die Gesundheit erhält und stärkt.
Vom Reparieren zum Gestalten von Gesundheit
„Wir müssen Gesundheit stärker dort fördern, wo sie entsteht – über alle Sektoren und in allen Lebenswelten“, betonte Prof. Dr. Christian Keßler, Vorstandsmitglied der AIM und Professor für Integrative Gesundheitsversorgung und Prävention an der Universität Augsburg. Integrative Medizin verbinde leitliniengerechte Medizin mit wissenschaftlich fundierter Naturheilkunde und Komplementärmedizin (TCIM) und eröffne damit neue Möglichkeiten für Gesundheitsförderung, Prävention und eine patientenzentrierte Versorgung. Der entscheidende Perspektivwechsel bestehe darin, Gesundheit nicht erst dann in den Blick zu nehmen, wenn Krankheit entstanden ist, sondern sie aktiv zu erhalten und zu fördern.
Fragmentierte Versorgung überwinden
Prof. Dr. Claudia Löffler, Professorin für Integrative Onkologische Medizin am Universitätsklinikum Würzburg, zeigte anhand aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, dass insbesondere Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Krebs häufig unter einer fragmentierten Versorgung leiden. Integrative Medizin könne hier Orientierung schaffen, die Gesundheitskompetenz stärken und die aktive Mitwirkung der Patientinnen und Patienten fördern. Für zahlreiche belastende Begleitsymptome – etwa Fatigue, Tumorschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen oder Schlafstörungen – liegen inzwischen evidenzbasierte integrative Behandlungsmöglichkeiten vor, die bereits Eingang in Leitlinien gefunden haben.
Einen weiteren Blick auf die strukturelle Verankerung Integrativer Medizin eröffnete Prof. Dr. David Martin, Leiter des Instituts für Integrative Medizin an der Universität Witten/Herdecke, mit seinem Beitrag zur AWMF-S3-Leitlinie zum Fiebermanagement im Kindes- und Jugendalter.
Prävention steuerungsfähig machen
Aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherung unterstrich Alexander Krauß, Leiter der TK Landesvertretung Sachsen, dass Prävention künftig stärker steuerungsfähig werden müsse. Dafür brauche es qualitätsgesicherte, digital vernetzte und wissenschaftlich evaluierte Angebote, die systematisch in Versorgungspfade, Gesundheitsberatung sowie in Kommunen, Bildungseinrichtungen, Betrieben und Pflege eingebunden sind.
Prävention braucht politische Rahmenbedingungen
Für die AIM reicht es jedoch nicht aus, Prävention programmatisch zu fordern. Notwendig seien verbindliche politische und strukturelle Rahmenbedingungen. Ebenso brauche es eine angemessene Finanzierung. Der gesundheitspolitische Sprecher der AIM, Dr. Stefan Schmidt-Troschke, brachte den Anspruch der Allianz auf den Punkt: „Prävention beginnt nicht mit einem Check-up, sondern dort, wo Menschen befähigt werden, ihre Gesundheit selbstbestimmt zu gestalten. Information allein verändert noch kein Verhalten. Erst wenn Gesundheitskompetenz, Beziehung und Selbstwirksamkeit zusammenkommen, entsteht nachhaltige Prävention.“
Integrative Medizin als Strukturimpuls
Mit dem Symposium setzte die AIM eine klare Botschaft: Integrative Medizin versteht sich nicht als Alternative zur konventionellen Medizin, sondern als leitliniengerechte, wissenschaftlich fundierte Ergänzung, die Gesundheitsförderung, Prävention und patientenzentrierte Versorgung sinnvoll miteinander verbindet.
Sie kann damit einen wichtigen Strukturimpuls für die Gesundheitsversorgung der Zukunft leisten.
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